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»Die Kontinuität und Beziehung zwischen allen Instrumenten der Unternehmenskommunikation« [L01] ist ein tragender Faktor für das einheitliche Erscheinungsbild eines Senders. Wiedererkennung und Imageförderung resultieren aus der Pflege der Corporate Identity – auch im Fernsehtext. Auf den ersten Blick scheinen sich alle Tafeln zu ähneln, sie verwenden die gleiche Schrift und scheinbar dieselben Farben. Die visuelle Kommunikation der verschiedenen Programme ist wegen der technischen Begrenztheit des Mediums nicht leicht auf den Fernsehtext zu übertragen.

Bei genauerem Betrachten der Details jedoch konkretisiert sich die Corporate Identity eines Senders. Beginnend bei den CI-Farben (ARD: Blau, ZDF: Orange, RTL: Rot, Blau, Gelb) lässt sich feststellen, dass, aufgrund der wenigen Farbtöne, die Hausfarbe nur bedingt bis gar nicht eingesetzt werden kann. Logos der Sender sind oft schwer im Fernsehtext zu transportieren, sie erscheinen pixelig bis »verstümmelt«. Die Haus-Schrift der TV-Kanäle ist überhaupt nicht auf Fernsehtextseiten übertragbar. Anhand von drei Beispielen, der ARD, dem ZDF und RTL, werden die aufgeführten Punkte im Folgenden belegt.

ARD
Dem Ersten Deutschen Fernsehen kommt die Hausfarbe Blau sehr entgegen. Auf der Index 100- Tafel zeigt sie sich großflächig, auch die Bildmarke der ARD, die Ziffer 1, kann akzeptabel dargestellt werden. Auf schwarzem Hintergrund wird als Basisfarbe für den Fließtext Weiß genommen. Akzente setzen blaunahe Töne Cyan und Grün, z.B. für Überschriften. Das ARD-Logo ist auf jeder Fernsehtext-Tafel an der selben Stelle platziert. Die Zurückhaltung der Farben spricht für das traditionelle Image des Senders, »klassisch« und »dezent« werden die Informationen präsentiert. Besonders »seriös« und »glaubwürdig« bewerten auch die Zuschauer das ARD-Angebot und geben ihm Bestnoten für eine umfassende Information über das aktuelle Geschehen [1].

ZDF
Beim Zweiten Deutschen Fernsehen wird ebenfalls auf die Farbe Blau gesetzt, denn die Hausfarbe Orange steht im Fernsehtext nicht zur Verfügung. Das neue ZDF-Logo zeigt sich allein auf Tafel 100. Da es eine filigrane Bildmarke ist, kommt ihr die pixelige Darstellung nicht entgegen. Das Logo sieht »zerschossen« aus, wahrscheinlich wird aus diesem Grund auf allen weiteren Fernsehtextseiten »ZDF« in Bildschirmtypografie ausgeschrieben. Auch hier wird als Fließtextfarbe Weiß auf schwarzem Grund verwendet, Auszeichnungsfarbe ist vorwiegend Grün, sie orientiert sich aber an Farbkodierungen der Themenrubriken. Das ZDF hat nicht nur Schwierigkeiten sein Logo und seine Hausfarbe CI-gerecht in den Fernsehtext einzubinden, auch formal-ästhetische Aussagen der Gestaltung entfalten keine präzise Sprache und können nicht an das Niveau des ARD-Textes heranreichen. Studien über den Fernsehtext belegen diese Annahme, die Nutzer weisen dem ZDF keinen unverkennbaren Charakter zu. Der Fernsehtext wird stets durchschnittlich bewertet, weder als ausgesprochen modern, mutig oder langweilig noch als anspruchsvoll eingestuft [u15].

RTL
Die Fernsehtext-Gestalter des TV-Senders RTL greifen tüchtig in den Farbtopf, denn das entspricht auch dem Image des Senders. Das Logo leuchtet invertiert auf einem rot-blau-gelben Feld in nicht zu übersehender Grösse auf Tafel 100 entgegen und auch der Fließtext in Rot und Blau auf weissem Hintergrund spielt mit zwei CI-Tönen. Da die TV-Anstalt für leichte Unterhaltung mit Boulevard-Charakter steht, fällt es nicht schwer, dem im Fernsehtext zu entsprechen, inhaltlich wie auch visuell. Alles präsentiert sich bunt und durcheinander: Nicht selten werden 7 von 8 Farben eingesetzt (Tafel 500 Telereisen), CI-Farben von Werbekunden dominieren so manche Seiten (Tafel 250 Dt. Telekom präsentiert die Formel 1 in pink), in großen Grafiken werden die Logos der einzelnen Sendungen gezeigt (das Sender-Logo fehlt, Inhalte entfallen völlig oder folgen auf Rollseiten: »Familienduell« Tafel 721, »meine Hochzeit« 711) und mit hoher Schriftgrösse auf horizontaler Fläche möchten Hinweise auf andere Tafeln aufmerksam machen. Etwa die Hälfte der Seiten wirken sender-extern, und zwar dann, wenn sie nicht mehr die Hintergrundfarbe Weiß und die Textfarben Blau und Rot haben. Knapp 65% der Zuschauer sind der Meinung, das die Fernsehtext-Seiten zu dem Programm von RTL passen und setzen den Fernsehtext auf Rang 1 in der Bewertung »mutig« und »sensationslüstern« [u15].

Corporate Identity im Fernsehtext
Obwohl die ARD klare Gestaltungsrichtlinien, ein gut übertragbares Logo und CI-gerechte Farbtöne vorgibt und das inhaltliche Angebot dem Senderimage gleichkommt, schätzen nur 24,3 Prozent den ARD-Fernsehtext als »unverwechselbar« ein [u15]. Zum einen mag dies daran liegen, dass der Zuschauer die Inhalte für austauschbar hält, weil er glaubt, sie auch bei MTV, beim WDR und bei n-tv wiederfinden zu können (Nachteil der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF: Sie müssen mit einem »Vollprogramm« einer breiten Zielgruppe entsprechen, »Alles-ist-nichts-Eindeutiges«-Prinzip). Zum anderen ist das »Look-und-Feel« des Senders zurückhaltend bis unauffällig und es fällt bekanntlich jenes ins Auge des Betrachters (und bleibt ihm in Erinnerung), was bunt und laut nach Aufmerksamkeit schreit. Die konsequent angewandte CI der ARD scheint aber dennoch ihre Wirkung nicht zu verfehlen, denn obgleich der Anwender meint, die Inhalte woanders ebenso erhalten zu können, kommt er dennoch am ehesten zur ARD (der höchste Marktanteil der Fernsehtextnutzung). Eine gute Corporate Identity macht daher den Sender und seinen Fernsehtext, wenn auch nicht auf den ersten Blick, unverwechselbar oder besser: einmalig und attraktiv.


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[1] ARD ist Spitzenreiter in der Kategorie »seriös« (69,5%) und »glaubwürdig « (68,8%), sowie umfassende Information (65,4%). Als »frech« bezeichneten den Sender nur 3,5% der Zuschauer. Das Fernsehprogramm hat wie n-tv eine kühlen Nachrichten-Charakter, beide Kanäle wurden als am wenigsten »ansprechend « benannt. Quelle: [u15]


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