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Das Wohnzimmer ist seit jeher Versammlungsort der Familie. Der Zuschauer sitzt oder liegt gemütlich auf seiner Couch in einem Abstand von ca. 3 bis 5 Metern vor dem Fernseher und steuert das TV-Gerät mit einer Fernbedienung. In entspannter Körperhaltung lässt sich der Konsument vom Fernsehprogramm »berieseln«, isst und trinkt nebenbei und steuert den TV-Apparat aus der Ferne.

Fernsehprogramm - Fernsehtext
Die vermeintliche Steuerung des Gezeigten durch Auswahl des Senders lässt sich eigentlich nur als Freischalten einer Informationsflut werten (die Option ist Ein- oder Ausschalten eines Senders). Den Inhalt bestimmt der Sender, doch ob der Sender gesehen wird, bestimmt der Verbraucher (Quote!). Je mehr Sender dem Anwender zur Verfügung stehen, desto grösser seine Freiheit zwischen den Inhalten zu wählen. Die Marke/Image und der momentan gezeigte Inhalt eines Senders (Glaubwürdigkeit der Information, Unterhaltungswert…) sind die Kriterien, an denen sich die Quote misst.

Anders beim Fernsehtext. Seine Quote ist weniger abhängig vom derzeit angebotenen Fernseh-Inhalt, denn Teletext ist ein Informationsmedium und dient nur selten der reinen Unterhaltung. Ist das momentan laufende Fernsehprogramm weniger entscheidend für die Anzahl der Fernsehtext-Nutzer, um so mehr zählt bei Videotext die Marke des Senders. Pro Sender kann sich der Anwender in der Informationsarchitektur von 1.000 bis 2.500 Seiten bewegen.

7,5 Minuten pro Tag
7,5 Minuten verbringt der Konsument im Durchschnitt täglich mit Fernsehtext. Videotext manifestiert sich zunehmend im Alltag der Zuschauer, wie man an den in den vergangenen Jahren angestiegenen Benutzerzahlen (6,05 Mio. 1997 und 9,48 Mio im Jahr 2000, über ein Drittel mehr Anwender in drei Jahren) und der Verweildauer erkennen kann (407 Sekunden 1997 auf 459 Sekunden im Jahr 2000) [1].

Nutzungshäufigkeit, Verweildauer
Die Nutzung des Fernsehtextes entspricht nicht der des Fernsehprogrammes, denn obwohl ARD und RTL in der TV-Nutzung auf gleicher Höhe an Position 1 stehen, bevorzugen Anwender das Fernsehtext-Angebot der ARD (Marktanteil 18,5%/2000 gegenüber RTL nur 8%/2000). n-tv als Nachrichten-Spezialist konnte 2000 zwar lediglich 0,72 Millionen Benutzer aufweisen, diese verweilen aber im Vergleich zu anderen Programmen ausgesprochen lange auf den Seiten (952 Sekunden), was dem Sender einen hohen Marktanteil von 15,7 Prozent beschert. Noch vor RTL rangiert überraschend Sat1, deren Tafeln als »spassig« und »modern« bewertet werden (Marktanteil 14,9%/2000) [1].

Tagesverlauf
Der Teletextkonsum steigt von etwa 8 Uhr morgens bis zu einer Spitze um etwa 20 Uhr abends an und sinkt in den Nachtstunden rapide ab. Die Nutzungsspitze von 20 Uhr bis 23 Uhr abends ist besonders auffällig, die Kurve sinkt eine Stunde nach ihrem Höhepunkt um 20 Uhr und steigt um 22 Uhr noch einmal an. Dies könnte ein Hinweis auf eine Verbindung zwischen TV-Programm und dem Fernsehtext sein. Um 20 Uhr schalten Zuschauer nicht nur für die TV-Nachrichten ein, sie nutzen auch in hohem Maße und wahrscheinlich parallel zur Sendung den Fernsehtext.

Eine Viertelstunde später beginnt das Abendprogramm mit Spielfilmen und Shows und unterhält den Nutzer, die Fernsehtext-Nutzung flaut ab. Etwa in der Mitte des Filmes, wenn der Verbraucher sich in die gezeigte Filmhandlung eingefunden hat, steigen die Werte der Fernsehtextnutzung wieder, nach dem Ende des Filmes oder der Show erreicht die Teletextkurve ihren zweiten Tageshöhepunkt.

Wochenkonsum und ereignisbedingte Traffics
Fernsehtext ist ein Medium des Wochenendes. Samstags und sonntags wird er überdurchschnittlich oft abgerufen. »Mögliche Ursachen sind vielfältig und können von einer geringeren Nachrichtenfrequenz in den Fernsehprogrammen bei gleichbleibend hohem Informationsinteresse, über besondere Sportereignisse, deren Ergebnisse im Teletext nachgelesen werden, bis hin zu zusätzlichen Orientierungsbedürfnissen im Fernsehangebot und Freizeitbereich (z.B. Wetter, Bahnhöfe/Flughäfen) reichen.« [u15, S.56ff.] Hohe Nutzungsfrequenzen rufen auch Krisenzeiten oder besondere Ereignisse hervor. So hatte Videotext ausgezeichnete Quoten beim Terroranschlag vom 11. September 2001, beim folgenden Afghanistan-Krieg und während der Olympischen Spiele in Salt Lake City.


Hinweise
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[1] Quelle: MediaPerspektiven
der ARD [u15]


Informationsgrafik: Teletextnutzung ausgewählter Sender


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