TeleWeb Die Entwicklung des noch relativ unbekannten TeleWeb reicht bisher nicht über das Anfangs-Stadium hinaus. TV-Geräte, die den dafür notwendigen Decoder enthalten, werden erst seit Herbst 2001 verkauft. Trotz passabler Darstellung der Informations-Seiten (»Webseiten-Look«) bieten die via vertikaler Austastlücke versendeten (HTML-) Daten bisher nur wenig attraktive Inhalte an.
Daher bietet TeleWeb dem Anwender nicht viel mehr als eine Veredelung der Fernsehtext-Optik.
Die Navigation ist recht simpel: Mit wenigen Tasten der Fernbedienung kann der Anwender farblich markierte Sprungziele (»Shortcuts«) erreichen. Mit TeleWeb sind nicht nur Audiodateien abrufbar, es können auch einzelne TeleWeb-Tafeln für individuelle Benutzer adressierbar gemacht werden. Wesentliche Aufgaben des TeleWeb sind die Programmbegleitung auf dem TVBildschirm sowie Surfen am Fernseher ohne Telefongebühr wobei der funktionale Mehrwert des Internet (Interaktivität, nicht nur Abruf von Seiten) erst mit einem Rückkanal erreichbar ist.
Die Anbieter von TeleWeb die Vereinigung der Elektronikgeräte-Hersteller in Europa [1] sowie die Sender Pro7, ARD-Text, ZDF-Text, Viva und Swiss TXT planen für die nahe Zukunft die Umsetzung des Rückkanals (z.B. über Telefonleitung).
Auch hier kann TeleWeb dem Vergleich mit dem Internet nicht standhalten: die Menge abrufbarer Seiten ist limitiert. Der Decoder kann nur eine begrenzte Menge an Information speichern. Der TeleWeb-Nutzer ist daher gezwungen, schon vor der Anwahl von Seiten Entscheidungen zu treffen: erstens muss er die Wahl für ein favorisiertes TV-Programm fällen und zweitens Abruf-Themen angeben. Der Sender wiederum trifft nach der Eingabe durch den Anwender die Entscheidung, welche Seiten zu dem gesuchten Thema zugeschickt werden. TeleWeb fehlt hier augenblicklich eine wesentliche Eigenschaft des Internet: die Freiheit des uneingeschränkten Zugriffs auf alle Seiten, eine Vorauswahl schneidet die Verfügbarkeit der Ergebnisse gravierend ein.
Wird erst die Rückkanalfähigkeit möglich werden, besteht zudem die reale Gefahr des sog. »gläsernen Kunden«. Die Gewohnheiten und Vorlieben des Anwender werden dann durch die Erstellung von Benutzerprofilen seitens der Informationsanbieter bekannt sein als Folge werden dem Nutzer in hohem Masse Angebote »seines Interesses« gemacht: Informationen, die seinem Profil entsprechen. Doch dies ist prinzipielles Problem von Informationsmedien.
Als weiterer Nachteil der TeleWeb-Technologie erweist sich, dass die gesendeten HTML-Seiten auf die Gegebenheiten der Fernsehgeräte- Browser angepasst werden müssen.
WebTV
WebTV nutzt im Gegensatz zu TeleWeb die Telefonleitung als Rückkanal und gleichzeitig auch als Hinkanal zum Datentransport inhaltlich gleichen sich beide Angebote. Für Verbraucher in Deutschland sind die Kosten vergleichbar mit denen, die bei der Nutzung des Internets am PC entstehen. Daher stellt sich die berechtigte Frage: Welche Vorteile könnte das Internet-Surfen am Fernseher haben?
Die Qualität des Diplays entspricht nicht der des Computer-Bildschirms, HTML-Seiten können bisher nicht gespeichert werden, Texte werden über ein virtuelles Keyboard oder mit einer kabellosen Tastatur eingegeben. Emails können abgeschickt, Bookmarks können gesetzt und Webseiten ausgedruckt werden nichts Ungewöhnliches also.
Eher unbedeutende Argumente sprechen für WebTV: Zum Einen entfällt der Boot-Prozess des PCs; mit dem Fernseher und dem für WebTV notwendigen Decoder (der Fernseher und Telefonleitung vernetzt) kann der Nutzer direkt online gehen. Zum Anderen kann sich der Zuschauer (allerdings nur mit WebTV Plus) interaktiv an laufenden Sendungen im Fernsehprogramm beteiligen, z.B. bei Votings oder bei Fragen in Gameshows. Gegebenenfalls wären auch die Anschaffungskosten geringer als bei einem PC, z.B. wenn man auf vorhandene Hardware (den Fernseher) zurückgreifen kann.
Für Konsumenten in Deutschland ist WebTV momentan ein Dienst, der kaum in Frage kommt die Set-Top-Box von WebTV ist derzeit nur in den USA erhältlich [2]. »Die amerikanische Einstellung »TV is not for reading« ist wohl auch ein Grund für das mangelnde Interesse an WebTV.« [u15, S.375] Ein Durchbruch von WebTV auf dem deutschen Markt wird daher nicht mehr erwartet, denn trotz enormen Marketing-Aufwand wurden bisher nicht mehr als zwei Millionen Abonnements in den USA verkauft.
ATVEF
ATVEF [3] soll sich zum Standard des intelligenten All-in-one-Fernsehens entwickeln, so hoffen es seit 1998 vierzehn amerikanische Firmen (z.B. CNN, Discovery, Disney, Intel, NBC, Sony und Microsoft). Angelegt ist die ATVEF-Strategie auf digitale Fernsehkanäle, über die TV-Sendungen gemeinsam mit Internetdaten an ein Massenpublikum gesendet werden sollen. Die dafür erforderlichen Verbreitungswege, Kabel, Satellit und terrestrischer Empfang, sind bereits vorhanden, der Benutzer schon an das Empfangsgerät Fernseher gewöhnt.
Die Ziele sind hochgesteckt: Computer und Fernseher sollen vereint werden. Dann wären mehrsprachige Untertitel denkbar, aber auch verschiedene Synchronfassungen, umfangreiche programmbegleitende Informationsbausteine (natürlich auch Shopping-Angebote), Sport- und Wirtschaftsstatistiken und Zugriffe auf Nachrichtenarchive, die parallel zur Sendung zusammengestellt werden. Entwickelt werden jetzt neue Protokolle, um Fernsehsignal und Web-Format auf einen Nenner zu bringen.
Obwohl sich bereits deutsche Unternehmen um Lizenzen von ATVEF bemühen, sind Bedenken angebracht: Das Display der heutigen TV-Geräte ist nicht geeignet für längere Textseiten und die Nutzungssituation Computer/Fernseher ist divergent. Möchte der Anwender überhaupt beim Surfen auf dem Sofa oder lieber an einem Schreibtisch sitzen (Sitzhaltung, Abstand des Betrachters zum Display), auf dem auch eine Tastatur Platz findet? Werden Fernbedienungen handlich und verständlich genug sein? Wie werden der Aufwand gedeckt, bzw. werden Kosten für den Anwender entstehen? Wer bestimmt das Angebot an abrufbaren Inhalten?
Enhanced TV-Format
Zusammen mit deutschen Geräteherstellern wie z.B. Grundig entwickelte die Deutsche Telekom das Enhanced TV-Format, bei dem sendungsbezogene Internet- Adressen über die Fernsehtext-Seiten mitgegeben werden. Um die Adresse aufzurufen, betätigt der Benutzer eine »OK-Taste« auf der Fernbedienung. Über den Telefonmodem werden die Seiten angewählt. Der Zyklus der Teletext-Seiten wird kaum beeinträchtigt. Auch diese Technologie ist für den TV-Markt wenig bedeutend.
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