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Die Einführung von BTX und Fernsehtext 1980 durch die Bundespost und die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten stiess bei Verlagen auf wenig Gegenliebe, waren bisher die Tätigkeitsfelder beider (Text und Bewegtbild) doch eindeutig voneinander abgegrenzt gewesen. Nun fügten sich zwei neue Medien dem Markt hinzu, die konkurrierend zu den Verlagen redaktionelle Inhalte in Textform anboten und somit um den gleichen Kunden, das Fernsehpublikum, buhlten. Die Verlagsbranche sah das Ende Ihrer gedruckten Fernsehzeitschriften wie z.B. »Hörzu« kommen, denn in Bezug auf Aktualität war und ist Fernsehtext flexibler als die Printmedien. Doch sie überlebte, die gedruckte Fernsehzeitung - nicht nur deshalb, weil der Anwender schnell erkannte, dass sich gedruckte Texte in grosser Menge angenehmer lesen lassen als digitale Werke.

Heute animiert der enorme Wettbewerb auf dem Zeitschriftenmarkt die Verlage Bauer, Springer, Gong, Gruner+Jahr und Milchstraße wie auch Burda zu Kooperationen mit Fernsehsendern [1]. TV Guides werden von den Zeitschriften-Verlagen auch im Internet angeboten, allerdings konnten sich diese noch nicht als Massenmedium konstituieren [2].

BTX und Fernsehtext fussten von jeher auf ähnlichem Konzept: Sie sollten diesselbe Darstellungsform auf dem Bildschirm haben, denselben Decoder zur Entschlüsselung der übertragenen Signale nutzen und inhaltlich eine Art Zeitung am Bildschirm werden (wobei Fernsehtex programm-begleitende Inhalte zur Verfügung stellen und BTX zusätzlich mathematische Berechnungen, Computerspiele und computergestützten Unterricht im Angebot haben sollten) [3] – die Übertragungsart jedoch war der Unterschied, weshalb Fernsehtext BTX überlebt hat.

Bildschirmtext war »Interactive Videotex« – Fernsehtext ist hingegen ein »Broadcasting Videotex« [4]. Die Austastlücke [5], die der Teletext noch heute zum Datentransport nutzt, bietet rein technisch nur geringfügig »Platz« für Daten, daher sind die Menge an Informationen und die technische Funktion des Fernsehtextes sehr begrenzt. Die Seiten müssen immerfort im Zyklus ausgestrahlt werden, damit der Benutzer innerhalb von etwa 10 Sek. seine angeforderte Seite erhält [6].

Auf die Entdeckung der Übertragungsmöglichkeit von Daten via Austastlücke folgte die Frage, wofür man diese einsetzen könnte. Fernsehtext wurde als Zusatznutzen zum TV-Programm definiert, d.h. seine intendierte Funktion war die Sendung von Informationen über das Fernsehen. Die Zielgruppe war und ist das Fernsehpublikum. Der Empfang von Fernsehtext ist kostenlos. Einzige Voraussetzung zum Empfang von Videotext ist ein Fernsehtext-Decoder im TV-Apparat.

BTX war ein kostenpflichtiger Dienst, denn die Daten wurden über das Telefonkabel übertragen. Die Funktion und die Anzahl der Seiten waren keineswegs so eingeschränkt wie bei Fernsehtext, zudem verfügte BTX mit der Telefonleitung über einen Rückkanal, d.h. der Benutzer konnte nicht nur Informationen abrufen, sondern auch senden (Kommunikation und Interaktion zwischen Sender und Empfänger). Bildschirmtext hatte die Chance, sich weiterzuentwickeln: Die Darstellung wurde feiner, schöner, funktionaler – Fernsehtext musste sich daran messen lassen. Die Austastlücke ist sein Manko: Beim analogen Fernsehtext ist die Darstellung der Farben, der Pixel oder Schriften begrenzt, das Maximum des technisch Möglichen scheint erreicht.

Wenn schon nicht technisch oder optisch so konnte Fernsehtext doch inhaltlich Fortschritte verzeichnen: Es kamen zu den Informationen über das Fernsehprogramm nun Nachrichten wie politische Ereignisse, Sportergebnisse, Wetterprognosen und Lottozahlen hinzu – Fernsehtext mauserte sich mit der Zeit zur Informationsbörse auf Abruf.

BTX wird heute nur noch selten genutzt (in Deutschland wurde der Dienst von der Deutschen Telekom zunächst in »Datex J« umbenannt und Ende 2001 eingestellt). In Frankreich gibt es noch vereinzelt kleine Marktnischen [7]. Das World Wide Web hat die Existenz von BTX nahezu redundant gemacht. Im Vergleich zum Internet war der Bildschirmtext definitiv zu langsam und in Relation zur Geschwindigkeit zu teuer für die Nutzer. Er amortisierte nicht die Herstellungskosten (Werbung im BTX wurde nur diskutiert, jedoch nicht realisiert), stiess nicht wie das WWW auf ein so großes Interesse beim Anwender und auch die Technik des Internet war der des BTX überlegen. Bildschirmtext war schlichtweg nicht mehr zeitgemäß.

Fernsehtext bewährte sich in seiner ursprünglichen Darstellung und schlichten Funktion bis heute als kostenlose, aktuelle, jederzeit abrufbare und gewissermassen eigenständige Fernsehanwendung. Neben dem Fernsehtext entwickelten sich andere Ideen zur Verwendung der Austastlücke. So werden (z.B. von der BBC) heute kommerzielle Service-Angebote wie gebührenpflichtige Datenverarbeitungsprogramme über das Fernsehkabel vertrieben. Preis- und Lagerdaten werden an Handelsketten weitergegeben oder Ergebnisse von Pferderennen erscheinen dank Fernsehtext auf den Bildschirmen von Wettbüros. Über Teletext werden ausserdem Telespiele, einfache Schreib- und Rechenprogramme für PCs, kleinere Firmenanwendungen, Kommunikationsdienste und Downloadmöglichkeiten angeboten.


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[1] »Kooperation zwischen PRO SIEBEN und Burda (bzw. der Redaktion von TV-Spielfilm, Verlag Milchstraße) und zum anderen zwischen RTL 2 und dem Bauer Verlag«
[u15] MediaPerspektiven 8/1997, S. 442-455

[2] siehe auch:
http://www.tv-spielfilm.de
http://www.tv-movie.de

[3] Artikel aus dem Jahr 1977 der Computerwoche (Heft 46) über BTX Messevorstellung der Deutschen Bundespost

[4] Unter Interactive Videotex werden Systeme verstanden, die einen Informationsaustausch in beiden Richtungen zulassen. Unter Broadcasting Videotex solche Systeme, die im Rahmen des Fernsehsignals in nur eine Richtung Informationen übertragen. [L01 S.12]

[5] Austastlücke: Bereiche innerhalb des Fernsehsignals, die keine Bildinformation enthalten. [u01], mehr dazu unter 4.2

[6] Eine Wartezeit von max. 10 Sek. ergab sich aus einer Nutzerstudie der Forschungsabteilung der Bundespost. [iv02]

[7] Beispiel Bars: Dort findet man Minitel- Apparate (das französische Pendant zu BTX), über die man Telefonauskünfte erhalten kann.


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